Ratgeber Speiseröhrenkrebs
Informationen für Betroffene und Angehörige
Was ist ein Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs)?
Die Speiseröhre ist etwa 25 Zentimeter lang und führt vom Rachenraum hinter der Luftröhre über den Brustraum zwischen Herz und Wirbelsäule hindurch in den Magen-Darm-Trakt. Verschiedene Muskelschichten sorgen dafür, dass die Nahrung durch abgestimmte Muskelkontraktionen in Längsrichtung zum Magen transportiert werden kann.
In den oberen zwei Dritteln besteht die Speiseröhre hauptsächlich aus Deckgewebe (Plattenepithel), während das letzte Drittel hauptsächlich aus Drüsengewebe (Adeno) gebildet wird.
Um einen Rückfluss (Reflux) des Inhaltes (Magensäure und Nahrung) zu verhindern, findet sich am Ende der Speiseröhre ein Schließmuskel. Entspannt sich dieser Schließmuskel (auch Sphinkter genannt) kann die Nahrung passieren, im angespannten Zustand verhindert er den Rückfluss. Funktioniert dieser Verschlussmechanismus nicht zuverlässig, können Mageninhalt, aber auch aggressive Gallen- und Magensäuren in die Speiseröhre gelangen, was sich als Sodbrennen äußert.
Häufigkeit der Erkrankung
In Deutschland ist der Speiseröhrenkrebs eher selten. Insgesamt erkranken rund 5000 Menschen jährlich, Männer (ca. 4000 Fälle) sind stärker betroffen als Frauen. Mit zunehmenden Alter (etwa ab dem 60. Lebensjahr) steigt das Risiko. Im wesentlichen muss zwischen zwei verschiedenen Arten des Ösophaguscarcinoms unterschieden werden.
Bei der Hälfte der Fälle handelt es ich um das Adenocarcinom, es findet sich im unteren Drittel der Speiseröhre und befällt die drüsigen Schleimhautzellen. Das Plattenepithelcarcinom entsteht in den oberen zwei Dritteln der Speiseröhre – sogar bis in den Halsbereich hinein – und befällt die obere Schicht der Speiseröhrenschleimhaut. Beide Krebsarten unterscheiden sich in ihrer feingeweblichen Struktur.
Das Adenocarcinom im unteren Teil wird durch einen Rückfluss des Mageninhaltes begünstigt, während ein Plattenepithelcarcinom auf Nikotin und Alkoholkonsum zurückgeführt wird.
Der Speiseröhrenkrebs ist im fernen Osten häufiger zu finden, als Ursache gilt ein erhöhter Teekonsum in diesen Ländern. Aber es ist weniger der Tee, der krebserregend wirkt, als die durch die Hitze entstandenen Verbrennungen innerhalb der Speiseröhre.
Wesentlich seltener tritt noch eine weitere Art auf, die sich in Längsrichtung der Speiseröhre ausbreitet und bestimmte Nerven (Plexus myentericus Auerbach) der Speiseröhre zerstört. Dadurch wird die Speiseröhre ihrer Peristaltik, also ihrer für den Nahrungstransport notwendigen Beweglichkeit, beraubt. Es entsteht ein sogenanntes scirrhöses (hartes) Speiseröhrenkarzinom, bei dem die Speiseröhre zu einem unbeweglichen Gebilde erstarrt.
Krankheitsverlauf und Behandlung der Krebsarten sind sehr ähnlich, die Heilungsaussichten sind um so besser, je früher der Speiseröhrenkrebs entdeckt wird. Aber genau dahinter verbirgt sich das Problem.
Christian Wolf